Einstand

Am letzten Montag waren wir erstmals in veränderter Besetzung mit unserem „Till-Eulenspiegel“-Märchenprogramm zum Schulkonzert in Wachau unterwegs. Es gab sozusagen eine Premiere!

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Kurz vor dem Schulkonzert entstand in der „Garderobe“ dieses Bild, Anke Gießmann (li.) und Susanne Schneider (re.), im Hintergrund die erwartungsfrohen Kinder.

 

„Klavier-Anke“ war dankenswerter Weise als Harfenersatz für die „Harfen-Suse“  eingesprungen, die leider momentan aus gesundheitlichen Gründen für längere Zeit nicht Harfe spielen kann. (Wenn ich hier von Klavier-Anke und Harfen-Suse schreibe, greife ich nur auf, dass wir uns bei den Kindern immer so vorstellen.) Dass Anke Gießmann bei uns dazustößt, war ja schon länger geplant (ich schrieb bereits gesondert darüber), wir werden ein neues Bach-Programm zusammen erarbeiten und damit zum „Ensemble Leggieramente, das wohl nie als Ensemble auftritt“.

Da wir die Termine des laufenden Schuljahres (die eigentlich noch mit Harfe geplant waren) gern mit den gebuchten Programmen retten wollen, entschlossen wir uns, das Märchenprogramm ein wenig umzustellen, so dass es Flöte-Klavier-tauglich war. Das irische Harfenmärchen, was wirklich nur mit Harfe zu erzählen ist, ersetzten wir durch eine weitere Flötengeschichte. Die Sagen um Till Eulenspiegel blieben natürlich Dreh- und Angelpunkt in der Mitte des Programms und die kleine Ouvertüre mit „Peter und dem Vogel“ als Testfrage und Appetitmacher zu Beginn, war auch unproblematisch spielbar. Schwieriger war es schon mit der „Geschichte vom fliegenden Robert“, das vom „Wind“ der Harfe lebt. Aber Anke spielte das Harfenstück sehr temperamentvoll und schonte keine Finger bei den vielen Glissandi. Die Kinder waren begeistert von der kurzen Geschichte, die ja leider ziemlich traurig endet. Dass die anderen Märchen und Geschichten etwas flötenlastig waren, störte die Kinder nicht, war es doch recht abwechslungsreich. Das Lakota-Indianer-Märchen, bei dem die Indianerflöte gespielt wird und das von vielen „Geräuschinstrumenten“ begleitet wird, sorgt immer für mucksmäuschenstille Momente, weil alle den Wind vom „Zauberrohr“ oder das Wasser vom Regenmacher rauschen hören wollten. Bei der „Geschichte vom kleinen Vogel und dem alten Baum“ werden so viele verschiedene Flöten gespielt, dass hinterher viele Fragen dazu kamen („Was ist denn das für eine riesige Flöte? Warum ist die Piccolo aus Holz und die anderen aus Blech?“). Bisher spielten wir diese Geschichte noch nie, sie schlummerte immer in der Schublade, weil die Klavierstimme nicht ohne weiteres auf der Harfe gespielt werden konnte. Von Baßflöte über große Flöte bis Piccolo wurden ziemlich viele Flöten-Register gezogen und spätestens beim Vogel-Blues wippten manche Füße mit. Es war eine kurzweilige Stunde und alles fügte sich wunderbar zusammen. Danke Anke! (Der Satz ist anderweitig schon ein bisschen vorbelastet, aber in unserem Fall stimmt er am besten… 😉 )

Da der Einstand so gut gelungen ist und die nächsten Termine anstehen (wo allerdings wieder andere Programme gebucht sind) will Anke versuchen, auch die Puppentänze zu übernehmen. Wir beginnen also so schnell es geht mit den Proben… ein paar Umstellungen wird es auch da geben müssen (z.Bsp. die „Gasttänzerin Lolita“, bei deren spanischer Tanzmusik wir in der Puppenballgeschichte immer die Spiel- und Bauweise der Harfe erläuterten, kann nun so nicht auftreten), aber wir haben schon „Ersatz-Ideen“. Später mehr.

Noch eine kleine Randnotiz und ein wenig „Vielleicht-Interessantes“: Nach dem Konzert in Wachau am Montag streunten wir noch ein wenig durch den Ort.

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Ein Hagebuttenstrauch vor der Kirche, wunderbarer Blickfang in der noch farbarmen Vorfrühlingszeit. Wir waren neugierig und machten uns auf die Suche nach Spuren vergangener Zeiten in diesem hübschen Dorf, das mit einigen Perlen aufwarten kann.

Wir waren lange nicht dort, es gibt durchaus Sehenswertes und das möchten wir an dieser Stelle „verewigen“. Da wir uns für das Bach-Programm auch mit einigen geografischen Daten unseres Zielgebietes beschäftigen, fiel uns sofort der Name des Baches, des Dorfbaches Orla auf. Wir kannten bisher nur die Orla in Thüringen, die ja ganz nah am Wirkungskreis der Großfamilie Bach vorbeifließt und die mit 35km Länge die große Schwester dieser kleinen sächsischen Orla ist. Die Wachauer Orla entspringt auf den Fluren Wachaus und fließt bereits nach 10km in die Kleine Röder. Aber: Sie speist den Wassergraben des Barockschlosses von Wachau, einem wahren Kleinod.

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Die Orla in Wachau, ein kleines Bächlein, hier gebändigt und stattlich hervorgeholt als Wassergraben von Schloss Wachau und nach den letzten strengen Wintertagen noch zugefroren.

Erstmals als befestigte Anlage mit Wasserburg und -graben erwähnt wurde Wachau 1218. Im Jahr 1730 veranlasste dann die Gräfin von Schönfeld einen prachtvollen Schlossneubau und ließ ließ das noch heute von einem breiten Wassergraben umgebene Schloss als hufeisenförmige Anlage mit Seitenflügeln im Stil des Dresdner Barock für ihren Sohn Johann Georg erbauen, der es allerdings nicht lange behielt. 1841 kaufte Heinrich August Blochmann das Gut Wachau, baute es ein wenig um und gründete dort einen landwirtschaftlichen Verein sowie eine Schule für Knechte. Über die Nachnutzung konnten wir leider nichts weiter herausbekommen. Wahrscheinlich ist die weitere Nutzung als landwirschaftliche Schule oder Gut.

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Barockschloss Wachau. Vorderfassade.
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Hinteransicht des Schlosses.

Zusammen mit dem Wassergraben und seiner Freitreppe macht das Schloss für so ein kleines Dorf mächtig was her. Im Inneren soll sich u.a. ein prachtvolles Vestibül und ein Festsaal befinden. Wir konnten es allerdings nur von außen besichtigen. Wir hatten fantastisches Fotowetter und konnten ein paar Fotos schießen.

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Eine Treppe führt in den Wassergraben.

Der benachbarte Schlosspark, im 19.Jhd durch den königlich-sächsischen Gartenbaudirektor Max Richard Eduard Bertram im Auftrag von Gustav Adolph Gotthelf Kühne (Weinhändler aus Leipzig und zeitweiliger Besitzer des gesamten Anwesens) entworfen und angelegt, befindet sich gerade in der Neusanierung. Im Mai 2010 fegte ein Tornado über das Dorf hinweg und zerstörte große Teile des ca. 100-120 Jahre alten Baumbestandes. Besonders schön ist es, auf einer Tafel von den Bemühungen der Dorfgemeinschaft zu lesen, den Park nach den ursprünglichen Plänen wieder neu zu gestalten. Die alten Baumsorten sollen nachgepflanzt und die Wege wieder hergestellt werden, Einzelspender der Bäume sind namentlich aufgeführt. Veranstaltungen scheinen außer des jährlich stattfindenden Tages des offenen Denkmals, an dem Führungen durch Schloss und Park angeboten werden, nicht stattzufinden. Der Vollständigkeit halber möchten wir aber die offizielle Website des Barockschlosses Wachau verlinken, auch wenn sie derzeit brach zu liegen scheint… http://www.barockschloss-wachau.de Für uns war es an diesem Vormittag eine schöne Entdeckung, die wir hier gern weitergeben möchten.

WachauPark

 

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